Angesichts der miserablen Vermarktungslage ist die Fragestellung berechtigt. Der Wald als Sparkasse ist bei vielen Waldbesitzern nach wie vor eine vorherrschende Einstellung. Ja, der Wald ist ein Stück Natur und zugleich Wirtschaftsgut. Ist doch das Holz, was er produziert, ein wertvoller Rohstoff.

 

Die Werthaltigkeit ist aktuell nicht gegeben, da die Marktverhältnisse aus den Fugen geraten sind. Extreme Witterungsverhältnisse (Wind und Trockenheit) zusammen mit Insekten (Borkenkäfer bei der Fichte) verursachen eine historische Rundholzschwemme am Markt, was die Preise ins Bodenlose fallen ließ.

Wenn jetzt ein Waldbesitzer aus seiner persönlichen Situation heraus Einnahmen aus dem Wald erzielen möchte und die Sparkasse aktiviert, dann wird er aktuell eine Ernüchterung erleben. Will heißen, die Sparkasse „Wald“ ist Marktentwicklungen ausgesetzt, die sich nicht immer mit dem persönlichen Finanzbedarf decken. Angebot und Nachfrage bestimmen letztlich den Preis! Selten, dass der persönliche Finanzbedarf mit gewünscht guten Marktverhältnissen gepaart ist. Die Angebotsseite wird zunehmend durch Naturereignisse gesteuert und nicht durch den Waldbesitzer. Das Risiko des ungeplanten Mengenangebots bleibt und wird von Waldbesitzern oft ausgeblendet.

Bei guten Marktverhältnissen mit hohen Preisen nutzen zu wenige Waldbesitzer die Chancen, da das vermeintlich „freie“ Geld nicht benötigt wird. Verständlich. Gibt es doch keine Zinsen mehr und besteht die Angst einer Geldentwertung. Zudem wird der Holzpreis generell als zu niedrig erachtet, was durchaus auch nachvollziehbar ist. Gefühlt ist die Sparkasse „Wald“ ja voll – voll mit Holz, was bei Bedarf aktiviert werden kann, mit der Hoffnung einen gewünschten Geldbetrag zu erzielen. Die Rechnung kann aufgehen. Nur in den meisten Fällen nicht, da die Marktverhältnisse sich eben sehr rasch ändern können.

Gibt es einen Weg aus diesem Dilemma?

Sicher sollte jeder Einzelne für sich und seinen Wald ein Ziel definieren. Wir von der FBG sehen jeden Waldbesitzer für sich, aber auch die Gesamtheit des Waldes. Hier müssen wir feststellen, dass enorme Vorräte mit hohem Alter in den Wäldern stehen. Größtenteils sind die Bestände nicht verjüngt und bergen damit ein hohes Risiko. Im Allgäu hatten wir die letzten Jahre sehr viel Glück und großflächige Schäden blieben seit Wiebke aus. Nach dieser aktuellen Talsohle am Rundholzmarkt wird auch wieder ein Hoch kommen. Wird es dann genutzt? Wir empfehlen, nicht alles auf eine Karte zu setzen! Ernten Sie doch in den nächsten, guten Preisphasen einen Teil Ihres erntereifen Holzes oder stabilisieren Sie ihn mit Durchforstung für die Zukunft. Somit haben Sie nach wie vor Holz stehen, das in Zukunft vielleicht noch besser bewertet werden kann und haben zugleich das Risiko gestreut. Alternativ kann man auf den absolut goldenen Moment für die Ernte warten oder ein unerwartetes Ereignis vollzieht die Nutzung zu einem Zeitpunkt, die dann unabhängig von persönlichen Bedürfnissen stattfindet.

 Kleiner Exkurs: Wann ist ein Baum erntereif?

Wie bei Vielem ist es auch hier so: Grundlegend kann es nicht beantwortet werden, denn der so genannte Zieldurchmesser ist abhängig von Wüchsigkeit, Standort, Qualität und Baumart. Auch gilt er nicht für jeden einzelnen Baum in einem Bestand, sondern nur für den „herrschenden“ Bestand, also die Bäume, die man in den Durchforstungen auch immer wieder gefördert hatte. Die Zwischenständer – also alle Bäume dazwischen – werden diese Stärke nie erreichen, da sie meist nicht so wüchsig und stabil sind wie die Bäume in der herrschenden Schicht.

Eine allgemeine Empfehlung können wir ihnen jedoch an die Hand geben. Folgende Zieldurchmesser – gemessen auf Brusthöhe (z.B. mit einer Kluppe) – können ihnen als Richtwert dienen:

  • Fichte/Tanne: 60 cm
  • Buche/Esche: 65 cm
  • Eiche: 75 cm

Der Einfluss der Qualität

Je schlechter die Qualität des Einzelbaumes und/oder des Bestandes, desto mehr reduziert sich dieser Zieldurchmesser (bis zu minus 15 cm).

Bei sehr schönen, überdurchschnittlich veranlagten Bäumen/Beständen kann der Zieldurchmesser auch darüber liegen (bis zu plus 15 cm).

Berücksichtigen sollten sie auch, dass die Bestände bereits schon Jahre vorher aufgelichtet werden sollten, damit sich eine natürliche Verjüngung als Folgegeneration bilden kann.

Nehmen sie sich durchaus mal die Zeit und messen den ein oder anderen stehenden Baum in ihrem Wald mit einer Kluppe nach. Mancher Waldbesitzer wird überrascht sein, wie viele Jahre oder Jahrzehnte sein Holz bereits „überständig“ ist.

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